Dhrtarâstra sagte: Was taten, o Samjaya, die Meinen
und die Pândavas, da sie kampfbegierig sich auf dem Felde des Rechtes, dem
Kuru-Felde, gegenübertraten? (01.01)
Als er so von Mitleid erfüllt und niedergeschlagen
war, die Augen traurig und voll Tränen, sprach Madhusûdana (Krsna) diese Worte
zu ihm: (02.01)
Der Erhabene
sagte: Du klagst um solche, die nicht zu beklagen sind, und willst doch Worte
der Wahrheit sprechen. Weise beklagen Tote und Lebende nicht. (02.11)
Wie die Seele bereits in diesem Körper Kindheit,
Jugend und Alter hat, so geschiedt es auch, daß sie einen anderen körper
ergreift. Der Weise wird daran nicht irre. (Siehe 15.08) (02.13)
Wie ein Mann abgetragene Kleider ablegt und andere,
neue anzieht, so legt auch die Seele die abgetragenen Körper ab und geht in
andere, neue, ein. (02.22)
Rüste dich zum Kampfe, nachdem dir Freude und Leid,
Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleichgültig geworden sind. So wirst du
nicht in Schuld geraten. (02.38)
Deine Aufgabe liegt allein im Handeln, nicht in
dessen Früchten. Lasse nicht die Früchte deines Tuns deinen Beweggrund sein;
ergib dich nicht der Untätigkeit! (02.47)
Wer seinen Verstand (an das Göttliche) geschirrt hat
(oder: in seinen Verstande wohl gegründet ist), läßt beides fahren: Gut und
Böse. Befleißige dich darum des Yoga. Yoga ist Geschick im Handeln. (02.50)
Wenn der Geist den schwärmenden Sinnen nachläuft,
zieht er den Verstand mit sich fort, wie der Wind ein Schiff auf dem Wasser mit
sich fortzieht. (02.67)
Alle Arten von Werken werden durch die
Erscheinungsformen der Natur vollzogen; der Mensch, dessen Seele vom
Selbstgefühl verwirrt ist, denkt aber: „Ic bin der Täter“. (Siehe 05.09, 13.29,
und 14.19) (03.27)
Erkenne ihn so, der jenseits der Vernunft ist,
befestige dein (niederes) Selbst durch das Selbst und schlage so, o
Starkarmiger (Arjuna), den schwer besiegbaren Feind in Gestalt der Begierde.
(03.43)
Jedesmal, wenn die Rechtmäßigkeit im
Schwinden ist und Unrechtmäßigkeit sich erhebt, lasse ich mein Selbst
hervorströmen (fleischwerden). (04.07)
Ich habe die vierfache Ordnung in Übereinstimmung
mit den Bereichen von Eigenschaft und
Werk feschaffen. Wisse, daß ich, obgleich ihr Schöpfer, der Handlung und
Veränderung unfähig bin. (Siehe 18.41) (04.13)
Wer im Handeln Nicht-Handeln erblickt und Handeln im
Nicht-Handeln, der ist ein Weiser unter den Menschen, ein Yogin, ein all sein
Werk Vollbringender. (Siehe 3.05, 3.27, 5.08 und 13.29) (04.18)
Seine Opferhandlung ist Gott, seine Opfergabe ist
Gott. Durch Gotte wird sie in das Feuer Gottes geopfert. Gott ist es, was jener
erlangen wird, der in seinen Werken auf Gott bedacht ist. (Siehe 9.16) (04.24)
Es gibt nichts auf Erden, das an Reinheit mit der
Weisheit vergleichbar wäre. Von selbst findet dies mit der Zeit in seinem Selbst,
wer sich durch Yoga vervollkommt. (Siehe 4.31, und 5.06, 18.78). (04.38)
Ohne Yoga, o Starkarmiger (Arjuna), ist die
Entsagung aber schwer zu erlangen; der Weise, der sich des Yoga (des Weges der
Werke) befleißigt, erlangt das Absolute bald. (Siehe also 4.31, und 4.38)
(05.06)
Wer, nachdem er alle Anhänlichkeit aufgegeben hat,
so handelt, daß er alle seine Handlungen Gott weiht, wird von keiner Sünde
berührt, wie ein Lotusblatt vom Wasser (unberührt bleibt). (05.10)
Wer mich überall sieht und alles in mir sieht, dem
gehe ich nicht verloren, noch geht er mir verloren. (06.30)
Die Tugendvollen, die mich verehren, sind, o Herr
der Bharatas (Arjuna), von vierfacher Art: der Bedrängte, der Wahrheitssucher,
der Güterbegehrende und der Weisheitssucher. (07.16)
Am Ende vieler Leben geht der Weisheitsvolle zu mir
ein, wissend, daß Vâsudeva (der höchste Gott) alles ist. Solch eine große Seele
ist schwer zu finden. (07.19)
Menschen ohne Verstand stellen sich mich, der
unentfaltet ist, als entfaltet vor; sie kennen nicht meine höhere Natur, die
unveränderliche und erhabenste. (07.24)
An welchen (Seins) zustand er auch immer denken mag,
wenn er am Ende seinen Körper aufgibt, dieses Sein erlangt er, o Sohn der Kunti
(Arjuna), wenn er ständig in Gedanken darein versunken ist. (08.06)
Darum denke zu allen Zeiten an mich und kämpfe. Wenn
dein Denken und dein Verstand auf mich gerichtet sind, wirst du ohne Zweifel zu
mir gelangen. (08.07)
Wer beständig über mich nachdenkt und nichts anderes
im Sinne hat, von einem solchen immer bezähmten (oder: mit dem Allerhöchsten
vereinten) Yogin bin ich, o Pârtha (Arjuna), leicht erreichbar. (08.14)
Denjenigen aber, die mich verehren, indem sie allein
über mich nachdenken, diesen immer Beharrlichen bringe ich den Erwerb dessen,
was sie nicht besitzen, und Sicherheit in dem, was sie besitzen. (09.22)
Wer
immer mir verehrungsvoll ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder Wasser opfert,
ich nehme dieses liebevolle Opfer eines Menschen reinen Herzens an. (09.26)
Richte deinen Geist auf mich; sei mir ergeben;
berehre mich; huldige mir; nachdem du dich so gezügelt hast, wirst du, mich zum
Ziele habend, zu mir kommen. (09.34)
Ich bin der Ursprung von allem; aus mir geht alles
(die ganze Schöfung) hervor. Dies wissend verehren mich die Weisen, die im Besitze der Überzeugung sind. (10.08)
Wer für mich wirkt, wer mich als sein Ziel
betrachtet, wer mich verehrt, frei von Anhänglichkeit und ohne Feindschaft
gegen alle Geschöpfe ist, dieser gelangt zu mir, o Pândava (Arjuna). (Siehe
8.22) (11.55)
Richte deinen Geist allein auf mich, lasse deine
Vernunft in mir Wohnung nehmen. Du sollst nachher in mir leben. Darüber gibt es
keinen Zweifel. (12.08)
Wer in allen Wesen in gleicher Weise den höchsten
Herrn wohnen sieht, der unvergänglich ist, während sie vergehen, dieser sieht
in Wahrheit. (13.27)
Wer mir mit unerschütterlicher, liebender Hingabe
dient, erhebt sich über die drei Erscheinungsweisen; er ist tauglich, zum
Brahman zu werden. (Siehe 07.14 und 15.19) (14.26)
Und ich wohne in den Herzen aller; von mir stammen
Erinnerung und Wissen sowie deren Verlust. Ich bin es, fürwahr, der durch alle
Veden zu erkennen ist. Ich (bin), fürwahr, der Urheber des Vedânta und auch der
Kenner der Veden. (Siehe 06.39) (15.15)
Diese Pforte zur Hölle, welche die Seele zerstört,
ist dreifach: Wollust, Zorn und Gier. Daher soll man diese drei aufgeben.
(16.21)
Ein nicht verletzendes, wahrhaftes, angenehmes und
nutzbringendes Äußern (von Worten) und regelmäßiges Rezitieren des Veda: dies
gilt als Askese der Rede. (17.15)
Durch Hingabe erkennt er mich, meine Größe und wer
ich in Wahrheit bin. Nachdem er mich in Wahrheit erkannt hat, geht er alsbald
in mich ein. (18.55)
Der Herr wohnt in den Herzen aller Wesen, o Arjuna,
und treibt sie durch seine Kraft herum, als wären sie auf eine Maschine
gesetzt. (18.61)
Gib alle Pflichten auf und nimm allein zu mir deine
Zuflucht. Sei nicht betrübt, den ich werde dich von allen Übeln erlösen.
(18.66)
Wer jene, die mir anhangen, dieses höchste Geheimnis
lehrt, der wird, nachdem er mir so die höchste Verehrung erwiesen hat, ohne
Zweifel zu mir gelangen. (18.68)
Samjaya sagte: Wo Krsna, ist, der Herr des Yoga, und Pârtha (Arjuna), der Bogenschütze, dort, so meine ich, ist gewiß das Glück, der Sieg, die Wohlfahrt und die rechte Sitte. (18.78)