Gîtâ Satsang

 

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ENGLISH

 

DIE BHAGAVADGÎTÂ

S. RADHAKRISHNAN[1]

 

„Ich versenke mich in dich, o Mutter, o Bhagavadgîtâ, heilige, die du vom erhabenen Nârâyana selbst dem Arjuna verkündet wurdest, von Vyâsa, dem alten Weisen, inmitten des Mahâbhârata niedergegeschrieben wurdest, aus achtzehn Kapiteln bestehst, den Nektar nichtzweiheitlichen Wissens träufelst, die Wiedergeburt vernichtest.[2]

 

„Dieses berühmte Gîtâsâstra ist eine Zusammenfassung des Wesentlichen aller vedischen Lehren. Die Kenntnis ihrer Lehre führt zur Verwirklichung aller menschlichen Bestrebungen.[3]

 

„In der Bhagavadgîtâ finde ich einen Trost, den ich selbst in der Bergpredigt vermisse. Wenn mir manchmal die Enttäuschung ins Antlitz starrt, wenn ich, verlassen, keinen Lichtstrahl erblicke, greife ich zur Bhagavadgîtâ. Dann finde ich hier und dort eine Strophe und beginne alsbald zu lächeln inmitten aller niederschmetternden Tragödien – und mein Leben ist voll von äußeren Tragödien gewesen. Wenn sie alle keine sichtbare, keine untilgbare Wunde auf mir hinterlassen haben, verdanke ich dies den Lehren der Bhagavadgîtâ“ (Mohandas Karamchand Gândhi, Young India, 1925, S. 1078 f.).

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

  • Einleitung
  1. Arjunas Zaudern und Niedergeschlagenheit
  2. Sâmkhya-Theorie und Yoga-Praxis
  3. Karmayoga oder die Methode zu Handeln
  4. Der Weg des Erkennens
  5. Die rechte Entsagung
  6. Der wahre Yoga
  7. Gott und die Welt
  8. Der Gang der kosmischen Entwicklung
  9. Der Herr is mehr als seine Schöpfung
  10. Gott ist die Quelle von Allem: Ihn kennen heißt Alles kennen
  11. Die Verklärung des Herrn
  12. Die Verehrung des persönlichen Gottes ist besser als Meditation über das Absolute
  13. Die Unterscheidung zwischen dem Körper als dem Felde und der Seele als dem Kenner des Feldes
  14. Der mystische Vater aller Wesen
  15. Der Baum des Lebens
  16. Die Natur des Gottgleichen und des dämonischen Geistes
  17. Die drei Erscheinungsweisen auf religiöse Phänomene angewendet
  18. Entsagung soll nicht an den Werken, sondern an den Früchten der Werke geübt werden

 

EINLEITUNG

 

INTRODUCTION IN ENGLISH

by Dr. Ramananda Prasad, Ph.D.

 

&

 

            The Gita is a doctrine of universal truth. Its message is uni­ver­sal, sublime, and non-sectarian although it is a part of the scrip­tural trinity of Sanaatana Dharma, commonly known as Hinduism. The Gita is very easy to understand in any language for a mature mind. A repeated reading with faith will reveal all the sublime ideas con­tained in it. A few abstruse statements are interspersed here and there but they have no direct bearing on practical issues or the central theme of Gita. The Gita deals with the most sacred metaphysi­cal science. It imparts the knowledge of the Self and answers two universal questions: Who am I, and how can I lead a happy and peaceful life in this world of dualities. It is a book of yoga, the moral and spiri­tual growth, for mankind based on the cardinal principles of the Hindu religion.

            The message of the Gita came to humanity because of Arjuna’s unwill­ingness to do his duty as a warrior because fighting in­volved destr­uction and killing. Non-violence or Ahimsa is one of the most fundamen­tal tenets of Hinduism. All lives, human or non-human, are sacred. This immortal discourse between the Supreme Lord, Krishna, and His devotee-friend, Arjuna, occurs not in a temple, a secluded forest, or on a mountain top but on a battlefield on the eve of a war and is recorded in the great epic, Mahaabhaarata. In the Gita Lord Krishna advises Arjuna to get up and fight. This may create a misunderstanding of the prin­ciples of Ahimsa if the background of the war of Mahaabhaarata is not kept in mind. Therefore, a brief historical description is in order.

            In ancient times there was a king who had two sons, Dhritaraashtra and Paandu. The former was born blind, therefore, Paandu in­herited the kingdom. Paandu had five sons. They were called the Paandavs. Dhritaraashtra had one hundred sons. They were called the Kauravs. Duryodhana was the eldest of the Kauravs.

            After the death of king Paandu, the eldest son of Paandu became the lawful King. Duryodhana was a very jealous person. He also wanted the king­dom. The kingdom was divided into two halves between the Paandavs and the Kauravs.  Duryodhana was not satisfied with his share of the king­dom. He wanted the entire kingdom for himself. He unsuccessfully planned several foul plots to kill the Paandavs and take away their kingdom. He unlawfully took possession of the entire kingdom of the Paandavs and refused to give back even an acre of land without a war. All mediation by Lord Krishna and others failed. The big war of Mahaabhaarata was thus in­evitable. The Paandavs were unwilling par­ticipants. They had only two choices: Fight for their right as a matter of duty or run away from war and accept defeat in the name of peace and nonviolence. Arjuna, one of the five Paandava brothers, faced the dilemma in the battlefield whether to fight, or run away from war for the sake of peace.

            Arjuna’s dilemma is, in reality, the universal dilemma. Every human being faces dilemmas, big and small, in their everyday life when performing their duties. Arjuna’s dilemma was a big one. He had to make a choice between fighting the war and killing his most revered guru who was on the other side, very dear friends, close relatives, and many innocent warriors; or run­ning away from the battlefield for the sake of preser­ving the peace and nonviolence. The entire seven hundred verses of the Gita is a discourse between Lord Krishna and the confused Arjuna on the battlefield of Kurukshetra near New Delhi, India, in about 3,100 years BCE. This discourse was narrated to the blind king, Dhritaraashtr, by his charioteer, Sanjaya, as an eyewitness war report.

 

1.  Arjunas Zaudern und Niedergeschlagenheit

 

Dhrtarâstra sagte: Was taten, o Samjaya, die Meinen und die Pândavas, da sie kampfbegierig sich auf dem Felde des Rechtes, dem Kuru-Felde, gegenübertraten? (01.01

 

DIE ZWEI HEERE

 

Samjaya sagte: Nachdem Duryodhana, der König, das in Schachtordnung aufgestellte Heer der Pândavas erblickt hatte, ging er zu seinem Lehrer hin und sprach: (01.02)

Sieh, o Lehrer, das riesige Heer der Pândusöhne, das der Sohn Drupadas, dein weiser Schüler, augestelt hat. (01.03)

Da sind Helden, großmächtige Bogenschützen, die dem Bhîma und dem Arjuna im Kampfe gleichen: Yuyudhâna, Virâta und Drupada, der gewaltige Krieger. (01.04)

Dhrstaketu, Cekitâna und der tapfere König von Kâsi, ferner Purujit, Kuntibhoja und Saibya, der erste aller Männer. (01.05)

Der starke Yudhâmanyu und der kühne Uttamaujas, dann der Sohn der Subhadrâ un die Söhne der Draupadi, alle große Krieger. (01.06)

Höre nun, o bester der Zweimalgeborenen, welche hervorragenden (Männer) unter uns die Führer meines Heeres sind. Ich will sie dir nennen, damit du unterrichtet bist. (01.07)

Du selbst, Bhîsma und Karna und Krpa, der Kampfgewinner; Asvatthâman, Vikarna und der Sohn des Somadatta. (01.08)

Und viele andere Helden, die meinetwillen ihr Leber aufs Spiel gesetzt haben; sie sind mit den verschiedensten Waffen ausgerüstet und alle kampferfahren. (01.09)

Unbegrenzt ist diese unsere Heeresmacht, die von Bhîsma geleitet wird, begrenzt jedoch jene Heeresmacht der anderen, die von Bhîma geleitet wird. (01.10)

Euren Rängen entsprechend an allen Fronten aufgestellt, sollt ihr daher den Bhîsma unterstüten. (01.11)

 

DAS ERTÖNEN DER MUSCHELHÖRNER

 

Um ihn aufzumuntern, brüllte der alte Kuru, der tapfere Großvater, laut wie ein Löwe und blies seine Muschel. (01.12)

Dann wurden plötzlich Muscheln, Kesselpauken, Tamburins und Hörner angeschlagen, und der Lärm war gewaltig. (01.13)

Auf ihrem an weiße Rosse gespannten, großen Wagen stehend, bliesen Kŗşna und Arjuna ihre himmlischen Muscheln. (01.14)

Kŗşna blies seine Pâncajanya (-Muschel), Arjuna seine Devadatta, und Bhîma, der schreckliche Taten Vollbringende, seine mächtige Muschel Paundra. (01.15)

Fürst Yudhisthira, der Sohn der Kunti, blies seine Ananta-vijaya, und Nakula und Sahadeva bliesen auf ihren beiden (Muscheln) Sughosa und Manipuspaka. (01.16)

Und der König von Kâsi, das Haupt der Bogenschützen, Sikhandin, der große Krieger, Dhrstadyumna und Virâta und der unbesiegbare Sâtyaki, (01.17)

Drupada und die Söhne der Draupadi, o Herr der Erde, und der starkarmige Sohn der Subhadrâ, sie bliesen auf allen Seiten jeder seine Muschel. (01.18)

Das gewaltige, durch Himmel und Erde widerhallende Tosen zerriß die Herzen der Söhne Dhrtarâstras. (01.19)

 

ARJUNA ÜBERBLICKT DIE BEIDEN HEERE

 

Dann blickte Arjuna, der einen Affenschopf im Banner trug, auf die in Schlachtordnung aufgestellten Söhne des Dhrtarâstra und richtete seinen Bogen auf, als der Pfeilhagel einsetzte. (01.20)

Und er sprach, o Herr der Erde, dieses Wort zu Hrsikésa (Kŗşna): O Acyuta (Kŗşna), fahre meinen Wagen zwischen die beiden Heere, (01.21)

Damit ich jene schaure, die sich kampfeslustig aufgestellt haben, mit welchen ich in dieser Schlacht zu streiten habe. (01.22)

Ich will sie sehen, die hier kampfbereit zusammengekommen sind und in der Schlacht vollbringen wollen, was dem übelgesinnten Sohn des Dhrtarâstra lieb ist. (01.23)

Nachdem er so von Gudâkesa (Arjuna) angesprochen worden war, o Bhârata (Dhrtarâstra), fuhr Hrsîkésa (Kŗşna) den besten der Wagen zwischen die beiden Heere. (01.24)

Vor Bhîsma, Drona und allen Fürsten sagte er: Erblicke hier, o Pârtha (Arjuna), die versammelten Kurus! (01.25)

Da sah Arjuna, daß dort Väter und Großväter, Lehrer, Onkel, Brüder, Söhne, Enkel und Gefährten standen. (01.26)

Und Schwiegerväter auch, und Freunde, in beiden Heeren. Als der Sohn der Kunti (Arjuna) alle diese Verwandten dort aufggestellt sah, überkam ihn großes Mitleid, und traurig sagte er: (01.27)

 

DIE BETRÜBNIS DES ARJUNA

 

Wenn ich, o Kŗşna, meine eigenen Leute kampfbereit aufgestellt sehe, (01.28)

Beben meine Lippen, mein Mund wird trocken, mein Körper zittert, und meine Haare sträuben sich. (01.29)

(Der Bogen) Gândiva gleitet aus meiner Hand, und meine Haut brennt heftig. Ich vermag nicht mehr zu stehen. Es schwindelt mir. (01.30)

Und ich sehe böse Vorzeichen, o Kesava (Kŗşna), und ich finde kein Heil darin, meine eigenen Leute in der Schlacht zu töten. (01.31)

Ich begehre nicht nach Sieg, o Kesava, auch nicht nach Königsherrschaft und Freuden. Welchen Nutzen haben wir denn vom Königtume, o Govinda, von den Genüssen, oder von Leben selbst? (01.32)

Jene, um deretwillen Königsherrschaft, Genüsse und Freuden uns begehrenswert erscheinen, stehen hier im Kampfe gegenüber und haben auf Leben und Güter verzichtet. (01.33)

Lehrer, Väter, Söhne und Großväter auch, Onkel, Schwiegerväter, Enkel, Schwager und (andere) Verwandte. (01.34)

Wenngleich sie selbst mich töten würden, o Madhusûdana (Kŗşna), möchte ich diese nicht töten, und wäre es für die Herrschaft über die drei Welten; wieviel weniger für die Erde! (01.35)

Welche Freude, o Kŗşna, könnte uns zuteil werden, nachdem wir die Söhne Dhrtarâstras erschlagen haben? Nur die Sünde würde uns befallen, wenn wir diese Übelgesinnten töteten. (01.36)

Darum ziemt es uns nicht, die Söhne Dhrtarâstras, unsere eigenen Verwandten, zu töten; denn wie könnten wir je glücklich werden, o Mâdhava (Kŗşna), nachdem wir unsere eigenen Leute getötet haben? (01.37)

Wenn auch jene, deren Sinn von Gier gehemmt ist, die Zerstörung der Familie nicht als Übel ansehen und im Freundesverrat kein Verbrechen finden, (01.38)

Warum sollen wir nicht erkennen dürfen, o Janârdana (Kŗşna), daß es gilt, uns von dieser Sünde fernzuhalten, wir, die wir die Zerstörung der Familie als Übel ansehen? (01.39)

Wird eine Familie zerstört, so gehen auch ihre alten Gesetze zugrunde; und wenn die Gesetze untergehen, verfällt die ganze Familie der Gesetzlosigkeit. (01.40)

Und wenn Gesetzlosigkeit überhandnimmt, befält die Frauen der Familie Verderbnis, und wenn die Frauen verderbt sind, o Vârsneya (Kŗşna), ensteht Vermischung der Ka  sten. (01.41)

Vermischung führt die Zerstörer der Familie und die Familie selbst zur Hölle. Denn nun brechen, der Reis- und Wasseropfer beraubt, die Geister der Vorfahren zusammen.  (01.42)

Durch die Verbrechen der Familienzerstörer und die von ihnen bewirkte Vermischung der Kasten werden die unsterblichen Gesetze der Kaste und der Familie vernichtet. (01.43)

Und, so haben wir sagen gehört, den Menschen, deren Familiengesetze vernichtet sind, ist der Aufenthalt in der Hölle gewiß, o Janârdana (Kŗşna). (01.44)

Ach weh! Wir sind entschlossen, eine große Sünde zu begehen; denn aus Gier nach den Freuden der Königherrschaft stehen wir bereit, unsere eigenen Leute zu töten. (01.45)

Es wäre besser für mich, wenn die Söhne des Dhrtarâstra, mit Waffen in ihren Händen, mich, den Unbewaffneten, Wehrlosen, in der Schlacht erschlügen. (01.46)

Nachdem Arjuna auf dem Schlachtfelde so gesprochen hatte, sank er auf den Sitz seines Wagens nieder und warf Bogen und Pfeile weg, im Geiste von Betrübnis überwältigt. (01.47)

 

In der Upanişad der Bhagavadgîtâ, der Wissenschaft vom Absoluten, der Schrift über den Yoga und dem Zwiegespräch zwischen Śri Kŗşna und Arjuna ist dies das erste Kapitel, genannt: Die Niedergeschlagenheit des Arjuna.

 

2.     Sâmkhya-theorie und Yoga-praxis

 

KŖŞNA TADELT UND ERMAHNT ZUR TAPFERKEIT

 

Als er so von Mitleid erfüllt und niedergeschlagen war, die Augen traurig und voll Tränen, sprach Madhusûdana (Kŗşna) diese Worte zu ihm: (02.01)

Der Ehrwürdige sprach: Woher kommt dir in dieser schweren Stunde diese Befleckung (Bestürzung)? Sie ist edlen Geistern unbekannt (von Ariern nicht geschätzt), führt nicht in den Himmel und bereitet Schande, o Arjuna! (02.02)

Ergib dich nicht der Unmännlichkeit, o Pârtha (Arjuna), denn sie geziemt dir nicht. Lege diese niedrige Herzensschwachheit ab und erhebe dich, o Feindbedränger (Arjuna)! (02.03)

 

ARJUNAS ZWEIFEL BLEIBEN UNGELÖST

 

Arjuna sagte: Wie soll ich denn in dieser Schlacht, o Madhusûdana (Kŗşna), mit Pfeilen den Bhîsma und den Drona bekämpfen, die (ich) beide sehr verehre, o Feindetöter (Kŗşna)? (02.04)

Es dünkt mir besser, diese ehrwürdigen Lehrer nicht zu töten und betteln zu gehen auf Erden, als diese Lehrer, die zwar nach Gewinn begehren, zu erschlagen und blutbeschmierte Freuden zu genießen. (02.05)

Wir wissen nicht, was besser für uns wäre: daß wir siegen, oder daß jene uns besiegen. Die Söhne Dhrtarâstras, nach deren Tötung wir nicht mehr leben möchten, stehen uns gegenüber. (02.06)

Mein ganzes Wesen ist mit der Schwäche meines Mitleids geschlagen. In meinem Geiste um die Pflicht verwirrt, frage ich dich: Sage mir sicher, was das Bessere ist. Ich bin dein Schüler. Lehre mich, der ich mich darum an dich wende. (02.07)

Ich sehe nicht, was diesen Kummer, der meine Sinne austrocknet, vertreiben könnte, selbst wenn ich ein blühendes, mir unbestrittenes Königreich auf Erden erlangen würde oder gar die höchste Herrschaft über die Götter. (02.08)

Samjaya sagte: Nachdem er so zu Hrsîkésa (Kŗşna) gesprochen hatte, sagte der mächtige Gudâkesa (Arjuna) zu Govinda (Kŗşna): „Ich will nicht kämpfen“, und schwieg stille. (02.09)

Gleichsam lächelnd, o Bhârata (Dhrtarâstra), sprach nun Hrsîkésa (Kŗşna) zu ihm, dem Verzagenden, inmitten der beiden Heere: (02.10)

 

UNTERSCHEIDUNG VON SELBST UND KÖRPER:

WIR SOLLEN NICHT BEKLAGEN, WAS UNVERGÄNGLICH IST

 

Der  Erhabene sagte: Du klagst um solche, die nicht zu beklagen sind, und willst doch Worte der Wahrheit sprechen. Weise beklagen Tote und Lebende nicht. (02.11)

Nie gab es eine Zeit, da ich nicht war und du und diese Fürsten, noch wird je eine Zeit kommen, da wir nicht mehr sein werden. (02.12)

Wie die Seele bereits in diesem Körper Kindheit, Jugend und Alter hat, so geschiedt es auch, daß sie einen anderen körper ergreift. Der Weise wird daran nicht irre. (Siehe 15.08) (02.13)

Die Berührungen mit ihren Objekten, o Sohn der Kunti (Arjuna), bewirken Kälte und Hitze, Freude und Schmerz. Sie kommen und gehen und sind nicht von Bestand. Lerne sie ertragen, o Bhârata (Arjuna). (02.14)

Welchen menschen diese nicht quälen, o erster der Männer (Arjuna), wer derselbe bleibt in Schmerz und Freude, wer weise ist, dieser rüstet sich zur Ewigkeit. (02.15)

Das Nichtseiende kann nicht sein, das Seiende kann nicht aufhören zu sein. Die Wahrheitsseher haben den Schluß aus diesen beiden entdeckt. (02.16)

Wisse, daß unzerstörbar ist, von dem das alles durchdrungen wird. Niemand kann Zerstörung dieses Unwandelbaren bewirken. (02.17)

Ein Ende haben die Körper, unzerstörbar und unfaßbar aber ist das Ewige, welches in diese Körper eingegangen ist. Darum kämpfe, o Bhârata (Arjuna)! (02.18)

Wer denkt, er tötet, wer glaubt, er werde getötet, sind beide im Irrtum. Nicht tötet dieser eine, noch wird er getötet. (02.19)

Nicht wird er geboren, noch stirbt er jemals. Ins Sein gelangt, wird er nicht wieder aufhören zu sein. Er ist ungeboren, ewig, dauerhaft und uralt. Er wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird. (02.20)

Wer ihn als unzerstörbar und ewig, ungeboren und unvergänglich kennt, wie könnte ein solcher Mensch, o Pârtha (Arjuna), irgendeinen töten, irgendeinen töten lassen? (02.21)

Wie ein Mann abgetragene Kleider ablegt und andere, neue anzieht, so legt auch die Seele die abgetragenen Körper ab und geht in andere, neue, ein. (02.22)

Nicht spalten ihn die Schwerter, nich brennt ihn das Feuer, nicht benetzen ihn die Wasser, nicht trocknet ihn der Wind. (02.23)

Er kann nicht gespalten, nicht verbrannt, nicht benetzt und nicht ausgetrocknet werden. Er ist ewig, allgegenwärtig, unwandelbar, unbeweglich, immerwährend. (02.24)

Er wird unoffenbar, undenkbar, unveränderlich genannt. Darum sollst du nicht klagen, nachdem du ihn als solchen erkannt hast. (02.25)

 

WIR SOLLEN DAS VERGÄNGLICHE NICHT BETRAUERN

 

Selbst wenn du meinst, daß das Selbst immer wieder geboren werde und immer wieder sterbe, selbst dann, o Großarmiger (Arjuna), sollst du nicht klagen. (02.26)

Denn dem Geborenen ist der Tod gewiß, dem Toten ist die Geburt gewiß. Darum sollst du über eine unvermeidliche Sache nicht trauern. (02.27)

Nicht offenbar sind die Wesen an ihrem Beginne, offenbar in der Mitte, o Bhârata (Arjuna), und nicht offenbar wiederrum an ihrem Ende. Was gibt es da zu klagen? (02.28)

Der eine betrachtet ihn wie ein Wunder, der andere spricht von ihm wie von einem Wunder, ein anderer wieder hört von ihm wie von einem Wunder, und doch kennt ihn keiner, auch wenn er von ihm gehört hat. (Siehe KaU 2.07) (02.29)

Der im Körper von uns allen weilt, o Bhârata (Arjuna), ist ewig, unzerstörbar. Darum sollst du kein Wesen beklagen. (02.30)

 

APPELL AN DAS PFICHTGEFÜHL

 

Und auch wenn du deine Pflicht berücksichtigst, sollst du nicht schwanken. Denn Größeres gibt es für einen Krieger nicht als den pflichtgemäßen Kampf. (02.31)

Glücklich sind die Ksatriyas, o Pârtha (Arjuna), denen sich ein solcher Krieg wie eine weit geöffnete Himmelstüre darbietet. (02.32)

Wenn du diese pflichtgemäße Schlacht nicht aufnimmst, gerätst du in Schuld, indem du dein Gesetz und deinen Ruhm verrätst. (02.33)

Außerdem wird man ohne Unterlaß deine Schmach verkünden, und für einen Mann, der einst geehrt wurde, ist Schmach schlimmer als Sterben. (02.34)

Die großen Krieger werden glauben, daß du dich aus Furcht dem Kampfe entzogen hast, und sie werden dich, den sie einst hochgeschätzt haben, für gering achten. (02.35)

Deine Feinde werden viel Ungebührliches reden und deine Fähigkeit tadeln. Könnte es Traurigeres geben als das? (02.36)

Entweder wirst du getötet werden und in den Himmel eingehen oder du wirst siegen und die Erde genießen. Darum erhebe dich, o Sohn der Kunti (Arjuna), zum Kampf entschlossen! (02.37)

Rüste dich zum Kampfe, nachdem dir Freude und Leid, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleichgültig geworden sind. So wirst du nicht in Schuld geraten. (02.38)

Was ich dir eben gegeben habe, o Pârtha (Arjuna), ist die Weisheit des Sâmkhya. Vernimm nun die Weisheit des Yoga! Wenn dein Verstand diese aufnimmt, wirst du die Bindung durch die Werke ablegen. (02.39)

Auf diesem Pfade ist keine Mühe verloren, und es gibt kein Hindernis. Schon ein wenig von dieser Gerechtigkeit (dharma) errettet vor großer Gefahr. (02.40)

Hier gibt es, o Freude der Kurus (Arjuna), nur das entschlossene Verstehen; es ist eines. Die Gedanken der Unentschlossenen aber sind vielverzweigt und endlos. (02.41)

 

KEINE WEISHEIT FÜR DEN IRDISCH-GESINNTEN

 

Die Einsichtslosen, die sich an den Vedaschriften ergötzen, die behaupten, daß es anderes nicht gebe, die auf den Himmel bedacht sind und deren Wesen die Begierde ist, verkünden jene blumigen Worte, welche als Lohn der Taten die Wiedergeburt verheißen und viele besondere Riten zur Erlangung von Genüssen und der Herrschaft (festlegen). (02.42-43)

Nicht wohl begründet im Selbst (oder: in der Versenkung) ist der zwischen Gut und Böse unterscheidende Verstand jener, die an den Genüssen und der Macht hängen und deren Geist von diesen (Veda-) Worten hingerissen wird. (02.44)

Hauptasche des Veda sind die Erscheinungsformen; du aber, o Arjuna, befreie dich von dieser dreifachen Natur. Sei frei von den Gegensätzen, stehe fest in der Reinheit, sorge dich nicht um Erwerb und Erhaltung, besitze das Selbst! (02.45)

Soviel Nutzen ein Teich hat, an einer Stelle, wo von allen Seiten her die Wasser zusammengeströmt sind, soviel Nutzen haben auch die Veden für den Brahmanen, welcher erkennt. (02.46)

 

HANDLE OHNE RÜCKSICHT AUF DEN ERFOLG

 

Deine Aufgabe liegt allein im Handeln, nicht in dessen Früchten. Lasse nicht die Früchte deines Tuns deinen Beweggrund sein; ergib dich nicht der Untätigkeit! (02.47)

Gib die Anhänglichkeit auf, o Schätzegewinner (Arjuna), und volbringe, im Yoga gefestigt, deine Werke. Sei gleichmütig gegen Erfolg und Mißerfolg. Gleichmut wird Yoga genannt. (02.48)

Das Werksteht tief unter der Zügelung des Verstandes (buddhi-yoga), o Schätzegewinner (Arjuna). Suche im Verstande deine Zuflucht. Erbarmenswert sind jene, die nach Früchten trachten. (02.49)

Wer seinen Verstand (an das Göttliche) geschirrt hat (oder: in seinen Verstande wohl gegründet ist), läßt beides fahren: Gut und Böse. Befleißige dich darum des Yoga. Yoga ist Geschick im Handeln. (02.50)

Die Weisen, welche ihren Verstand (mit dem Göttlichen) verbunden haben, indem sie auf die Früchte ihrer Werke verzichtet und von den Banden der Geburt sich befreit haben, erreichen den leidlosen Ort. (02.51)

Da dein Verstand die Trübnis der Verblendung überquert, wird dir gleichgültig werden, was gehört worden ist und was noch zu hören sein soll. (02.52)

Wenn dein Verstand, von den vedischen Texten verwirrt, unerschütterlich und fest im Geiste (samâdhi) gründen wird, wirst du Einsicht (yoga) erlangen. (02.53)

 

DIE MERKMALE DES VOLLKOMMENEN WEISEN

 

Arjuna sagte: Welches ist die Beschreibung eines Menschen, der diese festgegründete Weisheit hat, dessen Wesen im Geiste feststeht, o Keśava (Kŗşna)? Wie wird er, dessen Verstand gefestigt ist, sprechen, wie wird er sitzen, wie wird er gehen? (02.54)

Der Erhabene sagte: Wenn jemand alle Wünsche seines Herzens ablegt, o Pârtha (Arjuna), und wenn sein Geist in sich selbst Genüge findet, wird er ein in seinem Verstande Feststehender genannt. (02.55)

Wer in Leiden nicht erschüttert wird und in Freuden frei von Begierden ist, von welchem Leidenschaft, Furcht und Zorn gewichen sind, der wird ein in seinen Verstande feststehender Weiser genannt. (02.56)

Wer nirgendwo Zuneigung hat, wer, wenn er Gutes oder Schlechtes empfängt, weder Freude noch Haß empfindet, dessen Verstand ist fest gegründet (in der Weisheit). (02.57)

Wer, wie eine Schildkröte ihre Glieder, seine Sinnesorgane allerseits von den Sinnesobjekten zurüchzieht, dessen Verstand ist fest gegründet (in der Weisheit). (02.58)

Die Sinnesobjekte wenden sich von der verkörperten Seele ab, die aufhört, sich an ihnen zu nähren; doch bleibt der Geschmack für sie. Aber selbst der Geschmack wendet sich ab,  wenn das Höchste erschaut wird. (02.59)

Mag ein Mensch auch noch so (nach Vollendung) streben, mag er auch noch so einsichtig sein, o Sohn der Kunti (Arjuna), die ungestümen Sinne reißen seinen Geist gewaltsam fort. (02.60)

Sie alle (die Sinne) gebändigt habend, soll er im Yoga dasitzen, auf mich gerichtet. Denn, wer die Sinne in seiner Gewalt hat, dessen Verstand ist fest gegründet.  (02.61)

Wenn ein Mensch an die Sinneobjekte denkt, entsteht Verhaftung an sie. Aus der Verhaftung entspringt Begierde, und aus der Begierde entspringt Zorn. (02.62)

Aus dem Zorn entsteht Verwirrung, aus der Verwirrung Verlust der Erinnerung, aus dem Verlust der Erinnerung Zerstörung des Verstandes. An der Zerstörung des Verstandes. An der Zerstörung des Verstandes geht er zugrunde. (02.63)

Wer aber seine Sinne im Zaum hält, wer mit gezügelten Sinnen, die frei von Anhänglichkeit und Abneigung sind, unter den Sinnesobjekten umhergeht, dieser Mensch erlangt die lauterkeit des Geistes. (02.64)

Und in dieser Lauterkeit des Geistes wird ihm das Ende allen Kummers bereitet. Der Verstand eines solchen Mannes von lauterem Geiste ist bald gefestigt (in dem Frieden des Selbst). (02.65)

Wer ohne Zucht ist, hat keinen Verstand, und wer ohne Zucht ist, hat auch kein Versenkungsvermögen. Wer ohne Versenkungsvermögen ist, findet keinen Frieden. Und wie könnte es für einen, der keinen Frieden hat, Freude geben? (02.66)

Wenn der Geist den schwärmenden Sinnen nachläuft, zieht er den Verstand mit sich fort, wie der Wind ein Schiff auf dem Wasser mit sich fortzieht. (02.67)

Wer darum, o Starkarmiger (Arjuna), seine Sinnesorgane allerseits von ihren Sinnesobjekten zurückhält, dessen Verstand ist fest gegründet. (02.68)

Was für alle Wesen Nacht ist, ist Wachezeit für die gezügelte Seele. Und was für alle Wesen Wachezeit ist, ist Nacht für des Seher, der sieht (oder: den Seher der Schau). (02.69)

In den alle Begierden einmünden wie die Wasser in den Ozean, der, obwohl immer angefüllt, doch stets bewegungslos verharrt, dieser erlangt den Frieden; nicht aber, wer seinen Begierden fröhnt. (02.70)

Wer alle Begierden aufgibt, ohne Verlangen handelt, ohne Selbstsucht und Egoismus ist, dieser erlangt den Frieden. (02.71)

Dies ist, o Pârtha (Arjuna), der göttliche Zustand. Wer ihn erreicht hat, wird nicht (mehr) verwirrt. Wer am Ende (in der Todesstunde) in ihm feststeht, geht in die Seligkeit Gottes (brahmanirvâna) ein. (02.72)

 

Dies ist das zweite Kapitel, genannt: Der Yoga der Erkenntnis.

 

3.  Karmayoga oder die Methode zu Handeln

 

WARUM DANN ÜBERHAUPT HANDELN?

 

Arjuna sagte: enn du meinst, o Janârdana, daß (der Pfad der) Erkenntnis besser ist als (der Pfad der) Handlung, warum drängst du mich dann zu dieser grausamen Tat, o Keśava (Kŗşna)? (03.01)

Mit verwirrter Rede scheinst du meinen Verstand irrezuführen. Teile mir doch ohne Umschweife das eine mit, wodurch ich Heil erlangen kann. (03.02)

 

LEBEN IST HANDELN; GLEICHGÜLTIGKEIT GEGEN DIE FOLGEN

DES HANDELNS IST ERFORDERLICH

 

Der Erhabene sagte: Der zweifache Weg, den es in dieser Welt gibt, o Tadelloser, ist schon vorhin von mir gelehrt worden: der Weg der Erkenntnis fûr die betrachtenden Menschen und der Weg der Werke für die tätigen Menschen. (03.03)

Nicht durch das Unterlassen der Werke erlangt der Mensch Befreiung von den Werken; nicht durch bloßes Entsagen erlangt er Vollkommenheit. (03.04)

Denn kein Lebewesen kann auch nur einen Augenblick verharren, ohne zu handeln. Jeder wird durch die naturentstandenen Impulse, ohne daß er sich dagegen wehren kann, zum Handeln veranlaßt. (03.05)

Wer die Tatsinne bezähmt, aber in seinem Herzen der Sinnesobjekte gedenkt, wessen Natur betört ist, ein solcher wird ein Heuchler genannt. (03.06)

Höher steht hingegen, o Arjuna, wer die Sinne mit dem Geiste zähmt und die Tatsinne ohne Anhänglichkeit auf dem Wege des Handelns einsetzt. (03.07)

 

WICHTIGKEIT DES OPFERS

 

Vollziehe dein dir zustehendes Werk, denn Handeln ist besser als Nichthandeln. Auch die Aufrechterhaltung des physischen Lebens gelingt nicht ohne Handeln. (03.08)

Abgesehen von dem Werk, das als und für ein Opfer getan wird, ist die Welt an die Werke gebunden. Darum befreie dich, o Sohn der Kunti (Arjuna), von aller Anhänglichkeit und vollziehe dein Werk als Opfer. (03.09)

In alter Zeit schuf der Herr der Geschöpfe zusammen mit dem Opfer die Menschen und sprach: Durch dieses werdet ihr euch fortpflanzen, und dieses wird es sein, was euch den Milchtrank eurer Wünsche spenden wird. (03.10)

Fördert damit die Götter, und die Götter mögen euch fördern. So werdet ihr, einander fördernd, das höchste Gut erlangen. (03.11)

Vom Opfer gefördert, werden euch die Götter jene Genüsse schenken, die ihr begehrt. Wer diese Gaben genießt, ohne ihnen zurückzugeben, ist fürwahr ein Dieb. (03.12)

Die Guten, welche die Überreste des Opfers verzehren, werden von allen Sünden erlöst; aber jene Bösen, die für sich allein Nahrung bereiten, sie essen die Sünde. (03.13)

Aus der Nahrung entstehen die Geschöpfe; aus dem Regen entspringt die Nahrung; aus dem Opfer wird der Regen geboren, und das Opfer entsteht aus dem Werke. (03.14)

Wisse, daß der Ursprung des karman (der Art des Opfers) im Brahman (dem Veda) liegt, und das Brahman entspringt im Unvergänglichen. Darum hat das allumfassende Brahman stets im Opfer seinen Mittelpunkt. (03.15)

Wer in dieser Welt das so in Bewegung gesetztz Rad nicht weiterdrehen hilft, ist von böser Natur, sinnlich in seinen Freuden und lebt umsonst, o Pârtha (Arjuna). (03.16)

 

HABE AM SELBST GENUG

 

Aber für den Menschen, der sich allein am Selbst erfreut, am Selbst genug hat, im Selbst Befriedigung findet, gibt es kein Werk mehr, das er tun müßte. (03.17)

So verfolgt er auch nicht die Absicht, durch Handlungen, die er vollbracht hat, und durch handlungen, die er nicht vollbacht hat, irgend etwas in dieser Welt zu gewinnen. Er hängt mit keinem Zweck von allen diesen Dingen ab. (03.18)

Vollbringe darum immer, ohne Anhänglichkeit, die auszuführende Tat, denn durch Handeln ohne Anhänglichkeit gelangt der Mensch zum Höchsten. (03.19)

 

GIB ANDEREN EIN BEISPIEL

 

Gerade durch Werke haben Janaka und andere die Vollendung erreicht. Du sollst auch zum Zwecke der Welterhaltung handeln. (03.20)

Was immer ein großer Mann vollbringt, das vollbringen andere ebensogut. Welchen Maßstab er auch immer setzen mag, die Welt richtet sich darnach. (03.21)

Für mich, o Pârtha (Arjuna), gibt es kein Werk in den drei Welten, das noch zu tun wäre, oder irgend etwas, das erlangt werden müßte und noch nicht erlangt worden ist. Und trotzdem betätige ich mich im Werke. (03.22)

Denn wenn ich mich je im Werke nicht unermüdlich betätigen würde, o Pârtha (Arjuna), die Menschen würden doch allerwärts meinem Wege folgen. (03.23)

Wenn ich aufhören würde zu handeln, würden diese Welten in Trümmer fallen, und ich wäre der Urheber der Unordnung und würde diese Menschen zugrunde richten. (03.24)

Wie die Unwissenden in Anhänglichkeit an das Werk handeln, so sollen auch die Wissenden handeln, o Bhârata (Arjuna), aber nicht in Anhänglichkeit, sondern in dem Verlangen, die Weltordnung aufrecht zu erhalten. (03.25)

Er (jnânin) möge die Gemüter der Unwissenden, die am Werke hangen, nicht verwirren. Der Erleuchtete, der alle Handlungen im Geiste des Yoga vollbringt, möge die anderen (ebenso) zum Werke anleiten. (Siehe 03.29) (03.26)

 

DAS SELBST IST NICHT DER TÄTER

 

Alle Arten von Werken werden durch die Erscheinungsformen der Natur vollzogen; der Mensch, dessen Seele vom Selbstgefühl verwirrt ist, denkt aber: „Ic bin der Täter“. (Siehe 05.09, 13.29, und 14.19) (03.27)

Wer aber, o Starkarmiger (Arjuna), das wahre Wesen der Unterschiedlichkeit (der Seele) von den Erscheinungsformen der natur und ihren Werken kennt, wissend, daß es die Erscheinungsformen sind, die an den Erscheinungsformen wirken, dieser verhaftet sich nicht. (03.28)

Die von den Erscheinungsformen der Natur verwirrt sind, hangen an den von ihnen vollbrachten Werken. Aber niemand, der das Ganze erkannt hat, möge die Unwissenden irre machen, die nur einen Teil erkannt haben. (Siehe 03.26) (03.29)

Übertrage, in vollem Bewußtsein auf das Selbst gestützt, alle diese Werke auf mich, sei frei von Begierde und Selbstsucht und kämpfe , von deinem Fieberwahn erlöst! (03.30)

Auch jene Menschen, welche gläubig und ohne Murren alle Zeit dieser meiner Lehre folgen, werden von (der Bindung durch die) Werke erlöst. (03.31)

Wisse, daß hingegen jene, die meine Lehre gering schätzen und sie nicht befolgen, blind für alle Weisheit, verloren und besinnungslos sind. (03.32)

 

NATUR UND PFICHT

 

Selbst der wissende Mensch handelt in Übereinstimmung mit seiner eigenen Natur. Die Lebewesen folgen ihrer Natur. Was vermag hier Unterdrückung auszurichten? (03.33)

Für jedes Sinnesorgan sind Neigung und Abneigung in bezug auf die Objekte des (betreffenden) Sinnesorgans festgesetzt. Niemand möge unter ihre Gewalt kommen, denn sie sind zwei gefährliche Wegelagerer. (03.34)

Es ist besser, das eigene Gesetz unvollkommen zu erfüllen, als das Gesetz eines anderen vollkommen zu erfüllen. Es ist besser, in (der Erfüllung) des eigenen Gesetzes zu sterben;denn gefährlich ist es, dem Gesetz eines anderen zu folgen. ( Siehe 18.47) (03.35)

 

DER FEIND HEISST BEGIERDE UND ZORN

 

Arjuna sagte: Wodurch, o Vârsneya (Kŗşna), wird nun aber, wie durch eine Kraft, der Mensch angetrieben, selbst gegen seinen Willen Sünden zu begehen? (03.36)

Der Erhabene sagte: Es ist das Begehren, es ist der Zorn, die, alles verschlingend und höchst sündhaft, aus der Erscheinungsform der Leidenschaft entspringen. Wisse, daß er der Feind hier ist! (03.37)

Wie das Feuer vom  Rauche verhült wird, ein Spiegel von Staub, ein Embryo vom Mutterleib umschlossen wird, so ist dies von jenem (nämlich der Leidenschaft) verhüllt. (03.38)

Von diesem unersättlichen Feuer der Begierde, diesem dauernden Feind der Weisen, wird, o Sohn der Kunti (Arjuna), das Wissen verhüllt. (03.39)

Die Sinnesorgane, das Denkorgan und die Vernunft werden sein Sitz genannt. Indem er mittels derselben das Wissen verhüllt, täuscht er die in den Körper eingegangene Seele. (03.40)

Bezähme darum, o bester der Bharatas (Arjuna), von Anfang an deine Sinne und vernichte diesen bösen Zerstörer von Wissen und Unterscheidungsvermögen. (03.41)

Groß sind, so heißt es, die Sinnesorgane: größer als die Sinnesorgane ist das Denkorgan; größer als das Denkorgan ist die Vernunft; aber noch größer als die Vernunft ist er. 03.42)

Erkenne ihn so, der jenseits der Vernunft ist, befestige dein (niederes) Selbst durch das Selbst und schlage so, o Starkarmiger (Arjuna), den schwer besiegbaren Feind in Gestalt der Begierde. (03.43)

 

Dies ist das dritte Kapitel, genannt: Der Yoga der Werke.

 

4.     Der Weg des Erkennens

 

DIE TRADITION DES JNÂNA-YOGA

 

Der Erhabene sagte: Ich habe diesen unvergänglichen Yoga dem Vivasvat verkündet; Vivasvat teilte ihn dem Manu mit und Manu dem Ikşvâku. (04.01)

So von einem zum andern weitergegeben, kannten ihn auch die königlichen Weisen, bis der Yoga im Laufe der langen Zeit, o Feindbedränger (Arjuna), der Welt verloren ging. (04.02)

Diesen selben uralten Yoga habe ich dir heute kundgetan. Denn du bist mein Verehrer und mein Freund. Und dies ist das höchste Geheimnis. (04.03)

Arjuna sagte: Später war deine Geburt und früher war die Geburt des Vivasvat. Wie kann ich da verstehen, daß du ihm diese (Lehre) zu Anfang verkündet hast? (04.04)

 

DIE LEHRE VON DEN AVATARAS

 

Der Erhabene sagte: Zahlreich sind meine vergangenen, Leben, und deine auch, o Arjuna. Ich kenne sie alle, du aber kennst sie nicht, o Geißel der Feinde (Arjuna). (04.05)

Obgleich (ich) ungeboren (bin), und mein Selbst unvergänglich (ist), obgleich (ich) der Herr aller Geschöpfe (bin), so gelange ich doch durch meine Macht (mâyâ) zu (empirischem) Sein, indem ich mich in meiner eigenen Natur festlege. (04.06)

Jedesmal, wenn die Rechtmäßigkeit im Schwinden ist und Unrechtmäßigkeit sich erhebt, lasse ich mein Selbst hervorströmen (fleischwerden). (04.07)

Um die Guten zu beschützen, die Bösen zu vernichten und die Rechtmäßigkeit zu festigen, entstehe ich von Weltalter zu Weltalter. (04.08)

Wer so in Wahrheit meine göttliche Geburt und meine göttlichen Werke kennt, wird nicht wiedergeboren, wenn er seinen Leib verläßt, sondern kommt zu mir, o Arjuna. (04.09)

Befreit von Leidenschaft, Angst und Zorn, in mich versunken, ihre Zuflucht zu mir nehmend, haben viele, von der Askese des Wissens geläutert, meinen Wesenszustand erreicht. (04.10)

Wie sie zu mir kommen, so nehme ich sie auf; überall folgen Menschen meinen Pfade, o Pârtha (Arjuna). (04.11)

Die das Gelingen ihrer Werke auf Erden wünschen, opfern den Göttern (den verschiedenen Formen der einen Gottheit), denn das Gelingen der Werke vollzieht sich in dieser Menschenwelt rasch. (04.12)

 

GOTTES WERKE SIND BEGIERDELOS

 

Ich habe die vierfache Ordnung in Übereinstimmung mit den Bereichen  von Eigenschaft und Werk feschaffen. Wisse, daß ich, obgleich ihr Schöpfer, der Handlung und Veränderung unfähig bin. (Siehe 18.41) (04.13)

 

HANDELN OHNE ANHÄNGLICHKEIT RUFT KEINE BINDUNG HERVOR

 

Werke beflecken mich nicht, auch habe ich kein Verlangen nach ihrer Frucht. Wer mich als solchen kennt, wird von den Werken nicht gebunden. (04.14)

Solches wissend, haben auch die Altvordern, die nach Erlösung suchten, das Werk geübt. Deshalb übe auch du das Werk, wie es die Altvordern in vergangenen Zeiten geübt haben. (04.15)

 

HANDELN UND NICHTHANDELN

 

Was ist Handeln? Was ist Nichthandeln? Selbst Weise sind darüber verwirrt. Ich werde dir erklären, was Handeln ist, das dich, hast du es erkannt, vom Übel erlösen wird. (04.16)

Man muß verstehen, was Handeln ist; man muß verstehen, was falsches Handeln ist; und man muß verstehen, was Nicht-Handeln ist; schwer zu verstehen ist der Weg des Werkes. (04.17)

Wer im Handeln Nicht-Handeln erblickt und Handeln im Nicht-Handeln, der ist ein Weiser unter den Menschen, ein Yogin, ein all sein Werk Vollbringender. (Siehe 3.05, 3.27, 5.08 und 13.29) (04.18)

Wessen Unternehmen frei von verlangenden Wünschen sind, wessen Werke im Feuer der Weisheit verbrennen, ihn nennen die Weisen einen Kundigen. (04.19)

Wer alles Anhängen an die Frucht der Werke aufgegeben hat, immer zufrieden ist, ohne irgendwelche Abhängigkeit, tut nichts, obwohl er sich ständig betätigt. (04.20)

Wer keine Wünsche hat, Herz und Selbst bezähmt, allen Besitz verläßt, nur mit dem Körper handelt, begeht keinen Fehl. (04.21)

Wer sich dem begnügt, was immer der Zufall bringt, wer über die Gegensätze (von Freude und Schmerz) erhaben ist, keinen Neid hat und in Erfolg und Mißerfolg derselbe bleibt, dieser wird nicht gebunden, auch wenn er handelt. (04.22)

 

OFPER UND SYMBOLISCHER WERT DES OPFERS

 

Das Werk jenes Menschen, der sich von seinen Verhaftungen getrennt hat, der erlöst ist, dessen Geist in der Weisheit feststeht, der sein Werk als Opfer vollbringt, löst sich vollkommen auf. (04.23)

Seine Opferhandlung ist Gott, seine Opfergabe ist Gott. Durch Gotte wird sie in das Feuer Gottes geopfert. Gott ist es, was jener erlangen wird, der in seinen Werken auf Gott bedacht ist. (Siehe 9.16) (04.24)

Einige Yogins opfern den Göttern, andere bringen im Feuer des Höchsten durch das Opfer selbst das Opfer dar. (04.25)

Einige opfern das Gehör und die anderen Sinnesorgane in das Feuer der Selbstüberwindung, andere opfern den Laut und die anderen Sinnesobjekte in die Sinnesfeuer. (04.26)

Einige wieder opfern alle Handlungen ihrer Sinne und die Werke ihrer Lebenskraft in das vom Wissen entzündete Feuer des Yoga der Selbstzucht. ( (04.27)

In gleicher Weise opfern einige ihren materiellen Besitz oder ihre Askese oder ihre geistigen Übungen, während andere, die sich bezähmt und strenge Gelübde abgelegt haben, ihr Studium und ihre Kenntnisse opfern. (04.28)

Andere wieder, die auf Atem-Regelung bedacht sind und die Wege des prâna (Aushauch) und apâna (Einhauch) in Schranken halten, gießen des prâna als Opfergabe in den apâna und den apâna in den prâna. (04.29)

Während andere, die ihre Nahrung einschränken, ihre Lebenshauche als Opfergabe in die Lebenshauche gießen. Sie alle sind Kenner des Opfers (wissen, was Opfer ist) und vernichten durch das Opfer ihre Sünden. (04.30)

Diejenigen, welche die vom Opfer übrig bleibende heilige Speise essen, gehen ein in das ewige Absolute. Diese Welt, o bester der Kurus (Arjuna), ist nicht für einen geschaffen, der kein Opfer vollzieht; wieviel weniger irgendeine andere Welt! (Siehe 4.38, und 5.06) (04.31)

So sind viele Arten von Opfern im Antlitz Brahmans ausgebreitet (d.h. hervorgebracht als Mittel, das Absolute zu erreichen). Wisse, daß sie alle aus dem Werke entspringen. Dieses wissend, wirst du erlöst werden. (Siehe 3.14) (04.32)

 

WISSEN UND WERK

 

Das Opfer der Erkenntnis ist größer als jedes materielle Opfer, o Geißel der Feinde (Arjuna). Denn alle Werke gipfeln ohne Ausnahme in der Weisheit. (04.33)

Lerne es durch demütige Verehrung, durch Befragen und Dienen. Die Männer der Weisheit, die die Wahrheit geschaut haben, werden dich im Wissen unterrichten. (04.34)

 

PREIS DER WEISHEIT

 

Wenn du es erkannt hast, wirst du, o Pândava, nicht wieder in diese Verwirrung fallen. Den damit wirst du alle Wesen ohne Ausnahme im Selbst und dann in mir erblicken. (Siehe 6.29, 6.30, 11.07, 11.13) (04.35)

Und solltest du der sündigste aller Sünder sein, so wirst du doch allein mit dem Schiffe der Weisheit alles Übel überqueren. (04.36)

Wie das angezündete Feuer seinen Brennstoff zu Asche macht, so macht, o Arjuna, das Feuer der Weisheit alle Werke zu Asche. (04.37)

Es gibt nichts auf Erden, das an Reinheit mit der Weisheit vergleichbar wäre. Von selbst findet dies mit der Zeit in seinem Selbst, wer sich durch Yoga vervollkommt. (Siehe 4.31, und 5.06, 18.78). (04.38)

 

ZUR WEISHEIT IST GLAUBE NOTWENDUNG

 

Wer Glauben hat, wer in sie (d.h.die Weisheit) vertieft ist und seine Sinne im Zaume hält, gewinnt Weisheit. Und hat er Weisheit gewonnen, so gelangt er rasch in den höchsten Frieden. (04.39)

Aber der Unwissende, der keinen Glauben hat, der zu Zweifeln neigt, geht zugrunde. Für die zweifelnde Seele gibt es weder diese Welt, noch die jenseitige Welt, noch irgendeine Glückseligkeit. (04.40)

Die Werke binden jenen nicht, der durch den Yoga allen Werken entsagt, der durch die Weisheit jeden Zweifel vernichtet hat und, o Schätzegewinner (Arjuna), für immer im Besitze seines Selbst ist. (04.41)

Zerschneide darum mit dem Schwert der Weisheit diesen aus Unwissenheit geborenen Zweifel in deinem Herzen, mache dich an den Yoga und erhebe dich, o Bhârata (Arjuna)! (04.42)

 

Das ist das vierte Kapitel, genannt: Der Yoga der göttlichen Erkenntnis.

 

5.     Die Rechte Entsagung

 

SAMKHYA UND YOGA FÜHREN ZUM SELBEN ZIEL

 

Arjuna sagte: Du rühmst, o Kŗşna, den Verzicht auf die Werke und wiederum das selbstlose Ausführen derselben. Sage mir mit Bestimmtheit, welches von diesen beiden das bessere ist. (Siehe also 5.05) (05.01)

Der Erhabene sagte: Der Verzicht auf die Werke und das uneigennützige Verrichten derselben, beide führen zur Erlösung der Seele. Aber von diesen beiden ist das uneigennützige Verrichten der Werke besser als der Verzicht auf sie. (05.02)

Wer weder Abneigung noch Begierden hat, ist als einer zu erkennen, der beständig den Geist der Entsagung besitzt; er, der ohne Gegensätze ist, o Stark-Armiger (Arjuna), wird mühelos von der Bindung erlöst. (05.03)

Die Unwissenden sprechen von der Entsagung (Sâmkhya) und der Werkbetätigung (Yoga) als von zwei verschiedenen Dingen, nicht aber der Weise. Wer eines davon gut betreibt, erlangt die Frucht beider. (05.04)

Der Stand, den die Entsagenden erlangen, wird auch von den Handelnden erreicht. Wer sieht, daß der Weg der Entsagung und der des Handelns eins sind, dieser sieht (in Wahrheit). (Siehe 6.01 und 6.02) (05.05)

Ohne Yoga, o Starkarmiger (Arjuna), ist die Entsagung aber schwer zu erlangen; der Weise, der sich des Yoga (des Weges der Werke) befleißigt, erlangt das Absolute bald. (Siehe also 4.31, und 4.38) (05.06)

Wer sich am Weg der Werke geübt hat, eine lautere Seele besitzt, Herr seines Selbst ist und seine Sinne bezähmt hat, dessen Seele zum Selbst aller Wesen wird, dieser wird von den Werken nicht befleckt, obgleich er wirkt. (05.07)

Der mit dem Göttlichen vereinte und die Wahrheit wissende Mensch denkt: „Ich tue gar nichts“, denn wenn er sieht, hört, fühlt, riecht, schmeckt, geht, schläft, atmet; wenn er spricht, ausscheidet, ergreift, die Augen öffnet und schließt, weiß er wohl, daß nur die Sinne mit den Sinnesobjekten beschäftigt sind. (Siehe 3.27, 13.29, und 14.19) (05.08-09)

Wer, nachdem er alle Anhänlichkeit aufgegeben hat, so handelt, daß er alle seine Handlungen Gott weiht, wird von keiner Sünde berührt, wie ein Lotusblatt vom Wasser (unberührt bleibt). (05.10)

Die Yogins (Tatmenschen) verrichten die Werke nur mit dem Körper, dem Geiste, dem Verstand oder nur mit den Sinnesorganen, indem sie zur Läuterung ihrer Seele alle Anhänlichkeit aufgeben. (05.11)

Die ernste (oder fromme) Seele erlangt den wohlgegründeten Frieden, indem sie die Anhänglichkeit an die Früchte der Werke aufgibt; aber derjenige, dessen Seele mit dem Göttlichen nicht vereint ist, wird von Begierde getrieben, hängt an der frucht (des handelns) und wird darum gebunden. (05.12)

 

DAS ERLEUCHTETE SELBST

 

Die in den Körper eingegangene (Seele), die ihre Natur bezähmt, indem sie durch den Geist (innerlich) allen Werken entsagt, wohnt behaglich in der Stadt der neun Tore, weder handelnd noch handeln lassend. (05.13)

Das  höchste Selbst schafft den Menschen keine Tätigkeit, noch ist es selbst tätig, noch verknüpft es die Werke mit ihren Früchten. Es ist die eigene Natur, die diesse hervorbringt. (05.14)

Der alldurchdringende Geist nimmt sich weder der Sünde noch der Verdienste irgendeines Menschen an. Die Weisheit wird von Unwissenheit verhüllt; dadurch werden die Geschöpfe verwirrt. (05.15)

Jenen aber, in denen die Unwissenheit durch Weisheit vernichtet wird, erhellt die Weisheit wie eine Sonne das höchste Selbst. (05.16)

Die dieses denken, diesem ihr ganzes, bewußtes Sein zuleiten, dieses zu ihrem einzigen Ziel machen, zum alleinigen Objekt ihrer Hingabe, erreichen einen Zustand, von dem es keine Wiederkehr gibt. Weisheit wäscht ihre Sünden weg. (05.17)

Mit gleichem Auge blicken die Weisen auf einen gelehrten und demütigen Brahmanen, auf eine Kuh, einen Elefanten, ja sogar auf einen Hund und einen Kastenlosen. (Siehe 6.29) (05.18)

Selbst hier (auf Erden) wird die geschaffene (Welt) von jenen besiegt, deren Sinn im Gleichmut feststeht. Gott ist ohne Fehler und derselbe in allem. Darum stehen diese (Menschen) in Gott fest. (Siehe 18.55) (05.19)

Man soll sich nicht freuen, wenn man Liebes erlangt, man soll nicht trauern, wenn man Unliebes erlangt. Wer festen Verstandes ist und unbeirrt, solch ein Kenner Gottes steht fest in Gott. (05.20)

Wenn die Seele nicht mehr an äußeren Berührungen (Objekten) haftet, findet man jenes Glück, das im Selbst ist. Solch einer, der sich im auf Gott (Brahma) gerichteten Yoga beherrscht, genießt unvergängliche Wonne. (05.21)

Welche Freuden auch immer aus den Berührungen (mit den Objekten) entspringen, sie alle sind eine Quelle des Leidens, sie haben einen Anfang und ein Ende, o Sohn der Kunti (Arjuna). Kein Weiser erfreut sich ihrer. (Siehe18.38) (05.22)

Wer, bevor er seinen Körper aufgibt, dem Ansturm von Begierde und Zorn widerstehen kann, ist ein Yogin, ist ein glücklicher Mann. (05.23)

 

FRIEDE VON INNEN HER

 

Der das Glück in sich findet, seine Freude in sich findet und ebenso sein Licht nur in sich findet, dieser Yogin wird göttlich und gelangt zur Seligkeit Gottes (brahmanirvâna). (05.24)

Die heiligen Männer, deren Sünden getilgt, deren Zweifel (Gegensätze) vernichtet, deren Sinne bezähmt sind und die sich daran erfreuen, allen Menschen Gutes (zu tun), gelangen zur Seligkeit Gottes. (05.25)

Diesen beherrschten Seelen (yati), die von Begierde und Zorn befreit sind, ihre Sinne im Zaume halten und Kenntnis des Selbst besitzen, liegt die Seligkeit Gottes ganz nahe. (05.26)

Der Weise, der alle äußeren Objekte ausschließt, den Blick zwischen die Augenbrauen richtet, die durch die Nasenlöcher ziehenden Ein- und Aushauche gleichmacht, der Sinne, Geist und Verstand bezähmt hat, auf Erlösung bedacht ist und Begierde, Furcht und Zorn abgelegt hat, ist für immer befreit. (05.27-28)

Der Weise, der mich als den Genießer der Opfer und Kasteiungen, den großen Herrn aller Welten, den Freund aller Wesen erkannt hat, geht in den Frieden ein. (05.29)

 

Dies ist das fünfte Kapitel, genannt: Yoga der Werkentsagung.

 

6.     Der Wahre Yoga

 

ENTSAGEN UND HANDELN SIND EINS

 

Der Erhabene sagte: Wer das ihm obliegende Werk verrichtet, ohne nach dessen Lohn zi suchen, ist ein Samnyasin, ist ein Yogin; night aber, wer das heilige Feuer nicht anzünder und keine Riten vollzieht. (06.01)

Wisse, o Pândava (Arjuna), daß das, was man samnyâsa nennt, Aktivität ist, die gebändigt wird; denn keiner wird ein Yogin, der nicht seinen (selbstsüchtigen) Zielen entsagt hat.(Siehe BG 5.01, 5.05, 6.01, und 18.02)  (06.02)

Das Werk wird als das Mittel des Weisen bezeichnet, der den Yoga zu erreichen wünscht. Hat er den Yoga erreicht, so wird Ruhe als das Mittel bezeichnet. (06.03)

Wenn einer nicht mehr an den Sinnesobjekten oder den Werken hängt und allen Vorsätzen entsagt hat, dann wird er einer genannt, der den Yoga erlangt hat. (06.04)

Durch sich selbst erhebe der Mensch sich selbst. Nicht erniedrige er sich selbst; denn das Selbst ist der Freund des Selbst, und das Selbst allein ist der Feind des Selbst. (06.05)

Wer sein (niederes) Selbst durch das (höhere) Selbst besiegt hat, hat in seinem Selbst einen Freund. Wer aber nicht im Besitz seines (höheren) Selbst ist, dessen Selbst wird wie ein Feind in Feindschaft handeln. (06.06)

Wer sein (niederes) Selbst besiegt hat und zur Ruhe der Selbstbeherrschung gelangt ist, dessen Selbst verharrt gesammelt; er hat Frieden in Kälte und Hitze, in Freude und Schmerz, in Ehre und Schmach. (06.07)